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… oder auch „merke: eine Abstimm-PDF geht nie in Druck“

Was bisher geschah:
#1 Vektor- und Pixelgrafiken
#2 Bildauflösung
#3 RGB und CMYK
#4 Bildmaterial
#5 Grafikformate von AI bis ZIP
#6 Textmaterial

 

#7.1 Die Abstimm-PDF

„Guten Tag,

anbei eine Abstimm-PDF mit der Bitte um Freigabe.“

Die Abstimm-PDF erfüllt nur einen Zweck, der gleichzeitig auch verantwortlich für den exotischen Namen ist: Die Abstimmung mit dem Kunden. Bei der Abstimm-PDF handelt es sich um ein qualitätsgemindertes Exemplar des späteren (Druck-)Erzeugnisses. Um die Größe gering und den Austausch zwischen Kunde und Agentur möglichst dynamisch zu halten, fällt sie durch einige Unarten auf:

• Komprimierte Bilder

• Noch nicht lithografierte Bilder

• Bilder ohne Druckprofil

• Fehlende Reinzeichnung

• RGB- und noch keine Sonderfarben

• Keine Lack-/Stanzformen

• Fehlende Beschnittzugabe

• Fehlende Beschnitt- oder Falzmarken

• Falsche Seitenanordnung

Auch wenn Ihnen viele dieser Begriffe möglicherweise noch fremd erscheinen, zumindest bis Sie den nachfolgenden Abschnitt Freigabe – was nun? erreicht haben, dürfte an dieser Stelle bereits eines ganz klar sein: Abstimm-PDFs sollten auf keinen Fall den Weg in eine Druckerei oder einen Zeitungsverlag finden. Können wir das nochmal fett schreiben, obwohl’s kein Link ist? Abstimm-PDFs sollten auf keinen Fall den Weg in eine Druckerei finden. Danke!

Die höchste Bestimmung einer Abstimm-PDF ist – wenn alles passt – Sie zur Freigabe zu bewegen. Im Anschluss erhalten Sie dann auch schnellstmöglich die finalen Produktionsdaten à la Druck-PDF.

#7.2 Freigabe – Was nun?

Komprimierte Bilder

Um die Dateigröße für den E-Mail-Versand gering zu halten sind Bilder in Abstimm-PDFs komprimiert und verpixelt. Erst in die Druck-PDF werden die Bilder mit der optimalen Auflösung (Bildauflösung/DPI/PPI) und Qualität gepackt.

Lithografierte Bilder

Der Begriff Lithografie bezeichnet eigentlich ein Farbdruckverfahren aus dem 19. Jahrhundert. Wobei der Lithograf die zu druckenden Texte oder Bilder für den Druck entsprechend aufbereitet hat. Mit den namensgebenden Steinen (griech. lithos = Stein) hat der Begriff zwar heutzutage nicht mehr viel zu tun, der Prozess dahinter bleibt aber der selbe: Daten werden für ihren großen Auftritt hübsch gemacht.

Damit keine Bilder bereits fertig bearbeitet werden, denen auf halbem Wege dann doch wieder der Weg ins finale Produkt verwehrt wird, handelt es sich auch hierbei um eine Tätigkeit, die meist erst nach der finalen Layoutfreigabe vonstatten geht.

Die genaue Vorgehensweise variiert dabei von Motiv zu Motiv. Stimmt bei einem Personenportrait beispielsweise der Weißabgleich nicht, müssen die Hauttöne digital angepasst werden, sonst könnte bei der abgebildeten Person eine Gelbsucht vermutet werden. Die Aufnahme einer großen Industriemaschine profitiert vielleicht von einer digitalen Oberflächenreinigung, wenn etwa der Putzlappen vor dem Fotografieren gerade in Urlaub war. Auch Farb-, Kontrast- und Helligkeitsanpassungen oder das Nachschärfen sind alltägliche Aufgaben der Lithografieabteilung.

Dem weit verbreiteten Gerücht es gäbe einen automatisierten mach-das-Bild-sexy-Button sollten Sie übrigens keinen Glauben schenken. Denn auch wenn sich die Technik seit der Erfindung des Steindrucks kontinuierlich weiterentwickelt hat, kann der guten alten Handarbeit nichts das Wasser reichen.

Druckprofil

In den dunkleren Bereichen Ihrer Bilder sind nach dem Druck keinerlei Details mehr zu erkennen? Dann hat der Drucker wohl im wahrsten Sinne des Wortes ein bisschen zu dick aufgetragen oder Sie haben das falsche Papier erwischt. In beiden Fällen kann ein Druckprofil Abhilfe schaffen.

Welches Druckprofil dabei das richtige ist, hängt von der Wahl des zu bedruckenden Papiers ab. Zeitungspapier ist beispielsweise sehr grob und kann viel Feuchtigkeit aufsaugen, weshalb die Farbe beim Drucken ausläuft. Es empfiehlt sich deshalb den Farbauftrag hier gering zu halten. Gestrichenes Papier hingegen, welches meist bei Zeitschriften oder Magazinen zum Einsatz kommt, hat eine sehr glatte Oberfläche, die einen feinen und präzisen Auftrag der Druckfarbe erlaubt.

Das passende Druckprofil wird also, einfach gesagt, in die Druckdatei gepackt, damit das Bild auf dem Papier später möglichst nah an das herankommt, was Sie vorher bereits auf dem Bildschirm gesehen haben.

Reinzeichnung

Ist das Layout vom Kunden freigegeben, wird noch einmal mit maximalfokussierten Adleraugen geprüft, ob alle Texte noch fest im Raster sitzen, keinerlei Schriftgrößen einen spontanen Wachstumsschub durchlebt haben, das Corporate-Blau noch immer seine ideellen Werte vertritt und keine Headline zur Subline degradiert wurde. Die Aufzählung lässt sich natürlich noch eine ganze Weile fortführen, doch um Ihnen eines deutlich zu machen: Eine ausführliche Kontrolle braucht Zeit!

RGB- und Sonderfarben

Sie erinnern sich an den Abschnitt RGB und CMYK? Dann wissen Sie, dass RGB-Farben in einer Druck-PDF nichts verloren haben. Also heißt es spätestens vor der Erstellung der Druckdaten: Raus damit! Im gleichen Kapitel haben Sie außerdem von Sonderfarben gehört. Sollte eine im Layout enthalten sein, muss diese für die Druckerei in der Druck-PDF gesondert angelegt und kenntlich gemacht werden.

Lack-/Stanzformen

Für Lack- und Stanzformen gilt das gleiche wie für Sonderfarben: Sollten sie im Layout enthalten sein, müssen sie für die Druckerei in der Druck-PDF gesondert angelegt und kenntlich gemacht werden.

Beschnittzugabe

Soll ein Flyer im handelsüblichen DIN A5-Format gedruckt werden, wird er zunächst einmal auf ein wesentlich größeres Stück Papier, den Druckbogen gedruckt. Auf diesen Druckbogen werden zudem nicht nur ein, sondern ganz viele Exemplare des Flyers – die „Nutzen“ – gedruckt, um die Produktion möglichst effizient zu halten. Erst anschließend werden die Flyer dann auf das endgültige DIN A5-Format zugeschnitten.

Sieht das Layout nun vor, dass Bilder oder Farbflächen genau am Rand des fertigen Flyers sitzen, ist eine Beschnittzugabe notwendig, damit beim Zuschneiden keine „Blitzer“ entstehen. Blitzer sind weiße Linien, die zwischen Seitenrand und Bild entstehen, wenn nicht ganz exakt an der Bildkante abgeschnitten wird. Um diesem Übel entgegenzuwirken, gibt es die Beschnittzugabe. Wie der Beschnitt funktioniert lässt sich am besten anhand der folgenden beiden Bilder erklären.

Der Beschnittbereich, welcher das Layout an den Seitenrändern sinnvoll fortführt, wird abgeschnitten und sorgt so für eine saubere Kante ohne Blitzer. Masel tov!

Beschnitt- und Falzmarken

Damit die Druckerei feststellen kann, wo der Beschnitt anfängt und das Layout aufhört, wird die Druckdatei mit entsprechenden Markierungen versehen, anhand derer das Papier zugeschnitten wird. Zusätzliche Markierungen werden außerdem hinterlegt wenn das Druckerzeugnis einen Falz erhalten soll, der durch Knicken des Papiers erzeugt wird.

Druckbogenanordnung

Manchmal benötigt eine Druckerei die Seiten innerhalb einer Druck-PDF in einer anderen Reihenfolge als sie Ihnen in der Abstimm-PDF präsentiert wurden. So sind manche Druckereien sogar so crazy drauf, dass Seiten auf den Kopf gestellt oder Doppelseiten nach der Abstimmung wieder getrennt werden müssen.

Fazit

Sie sehen, die Abstimm-PDF wird nicht über Nacht zur druckfähigen Datei (außer Ihre Agentur legt eine Sonderschicht ein). Ein Projekt endet keineswegs bei der Freigabe durch den Kunden, weshalb auch für die letzten Schritte genügend Zeit einkalkuliert werden sollte, um ein optimales Ergebnis zu erzielen.

Im nächsten Artikel unserer Reihe Mediengestaltung für Dummies präsentieren wir Ihnen die PDF-Kommentarfunktion für digitale Korrekturen und ziehen unser Fazit.

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